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Die Kraft der Nahbarkeit

Homeshopping-Ikone Beate Johnen im Exklusiv-Interview: Wie sie von Aachen aus die Beauty-Welt eroberte und was ihr die Heimat bedeutet.

Beate Johnen im Porträt

Ein Gespräch mit dem Top Magazin Aachen

In diesem Jahr feiert die gebürtige Simmeratherin Beate Johnen ein bemerkenswertes Doppeljubiläum: ihren 66. Geburtstag und das 21-jährige Bestehen ihres Unternehmens, der Beate Johnen Kosmetik GmbH. Heute ist sie ein bekanntes Gesicht für ein Millionenpublikum, eine Pionierin des modernen Multichannel-Shoppings und die treibende Kraft hinter den Premium-Markenlinien BJ SKINLIKE und BJ Nutri Solution. Im Gespräch mit dem Top Magazin Aachen berichtet sie von den Anfängen in der wilden Aachener Kneipen- und Discoszene der 1980er Jahre, ihren ersten Erfolgen im Bereich des Teleshoppings und von ihrem ganz privaten Glück einer späten Mutterschaft.

„Offen, frei und neugierig unterwegs“: Die wilde Aachener Zeit in den 1980er Jahren

Es war das Jahr 1979, als es Beate Johnen, gerade einmal 19 Jahre alt, aus ihrem Nordeifeler Heimatdorf Simmerath nach Aachen zog. „Das war für mich ein äußerst spannender und prägender Schritt – hinein in die Großstadt und in die wilden 80er-Jahre“, erinnert sie sich wehmütig. Es folgte eine Zeit des Ausprobierens, des Erwachsenwerdens und einer tiefen kreativen Freiheit. Während ihres Studiums der Sozialen Arbeit atmete sie den Geist einer Stadt, die damals ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten (sub)kulturellen Strömungen und spannender Initiativen war. Aachen war übersichtlich und familiär – man kannte sich –, aber die Kneipen- und Clubszene war pure Avantgarde. Treffpunkte wie das „Roxie“ am Hirschgraben, das „Raumfrisch“ in der Sandkaulstraße oder der legendäre Jazzclub „Malteserkeller“ prägten das Lebensgefühl. Im „UKW“ in der Rudolfstraße traten Bands wie die Einstürzenden Neubauten auf und brachten ganz neue Musikwellen in die Stadt. „Es waren Jahre, in denen man sich quasi unsterblich fühlte – meist hatte man wenig Geld in der Tasche, aber man war offen, frei und neugierig unterwegs“, beschreibt Beate Johnen diese Epoche, in der der Gedanke an eine klassische Karriere noch in weiter Ferne lag. Wichtiger war der Austausch, die vielfältigen Eindrücke und das Umsetzen eigener Ideen. Gemeinsam mit acht Gleichgesinnten stellte sie das ambitionierte Musiktheater-Programm „Paradiso Plastico“ auf die Beine. Diese intensive Verbindung zum Theater weckte in ihr Ende der 1980er Jahre den Wunsch, eine professionelle Schauspielausbildung anzustreben. Sie war 27 Jahre alt, als sie sich an der Berliner Hochschule für Künste bewarb. Das Auswahlgremium bescheinigte ihr zwar großes Talent, lehnte sie jedoch aufgrund ihres Alters ab. Die Logik der Theaterwelt war rigoros: Mit 30 Jahren wäre sie als Jungschauspielerin zu alt für das klassische „Gretchen“, aber mangels Spielerfahrung noch zu jung für die Rolle der „Lady Macbeth“. Doch wer Beate Johnen kennt, weiß, dass Hindernisse für sie lediglich Richtungsweiser sind. Wenn Berlin die Türen schließt, sucht man sich eben einen anderen Weg – in ihrem Fall führte dieser direkt nach London an die renommierte „East 15 Acting School“, wo sie sich gegen 2.000 Bewerber durchsetzte und einen der begehrten 50 Plätze ergatterte. Um das kostspielige Leben und die Studiengebühren in der britischen Hauptstadt zu finanzieren, bewies sie echten Aachener Gründergeist. Gemeinsam mit einer Freundin führte sie bereits die Kneipe „Hauptquartier“, doch das reichte nicht. Kurzerhand gründete sie in der Aachener Reihstraße den Musikclub „Intensivstation“.

Es waren Jahre, in denen man sich quasi unsterblich fühlte.

Beate Johnen
Beate Johnen im Gespräch mit dem Top Magazin Aachen

„Den Club habe ich über sieben Jahre mit viel Herzblut betrieben“, erzählt sie stolz. Die „I-Station“ war anders, progressiver und spannend-alternativ im Publikumsmix und in der Gesamtatmosphäre. „Es ging mir dabei immer auch um künstlerische Gestaltung und kulturelle Ansprüche. Ich blicke auf diese lebendige Aachener Zeit, in der ich persönlich wie auch unternehmerisch viel lernen konnte, immer wieder gerne zurück.“

Vom Live-Fernsehen zur eigenen Forschungsrezeptur

Mitte der 1990er-Jahre lernte das deutsche Privatfernsehen gerade das Laufen, und mit ihm steckte auch das Format des Teleshoppings noch in den experimentellen Kinderschuhen. Beate Johnen, die zu dieser Zeit in der Kommunikations- und Unternehmensberatung sowie als Trainerin arbeitete, war innerlich noch immer auf der Suche nach ihrer Berufung. Schon damals galt ihr privates Interesse den Themen Gesundheit, gesunder Ernährung, Hautproblemen und medizinischen Weiterentwicklungen. Ein glücklicher Zufall führte sie schließlich in ein Fernsehstudio: Bei einer Live-Verkaufsshow präsentierte sie Nagelfeilen – und das so erfolgreich und mit einer solch einnehmenden Präsenz, dass ihr sofort ein Angebot als festangestellte Moderatorin unterbreitet wurde. 1996 öffnete sie gemeinsam mit vier anderen Kolleginnen und Kollegen die Türen für den Sender QVC. Mit diesem ersten echten Angestelltengehalt endete die studentische Aachener Freiheit abrupt. „Ich wurde erst sterblich mit meinem ersten Job mit einem Angestelltengehalt“, reflektiert sie heute schmunzelnd. „In dem Moment, wo man in die Rentenkasse einzahlt, ist die Unsterblichkeit vorbei.“ Doch es war der Beginn einer historischen TV-Karriere. Als Presenterin der ersten Stunde gestaltete sie die Programmatik, die Konzepte und die Regie des neuen Sendeformats maßgeblich mit. Später wechselte sie zum Münchner Sender HSE (Home Shopping Europe). In den vergangenen 21 Jahren brachte sie es auf über 10.000 Live-Sendungen und baute eine treue, millionenstarke Kundengruppe auf. Doch im Jahr 2005 reichte ihr das reine Moderieren nicht mehr aus. Der Wunsch, eine Kosmetikmarke eng mit der Expertise einer realen Person zu verknüpfen, ließ sie den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit wagen: Sie gründete die Beate Johnen Kosmetik GmbH in München.

In dem Moment, wo man in die Rentenkasse einzahlt, ist die Unsterblichkeit vorbei.

Beate Johnen

„Das war natürlich ziemlich mutig und anfänglich auch ein unternehmerisches Abenteuer“, gibt sie rückblickend zu. Doch Zweifel an der Entscheidung gab es für sie nicht: „Es war einfach der richtige Weg, weil es auch verstanden wurde.“ Ihr großer Vorteil war das über Jahre gewachsene Vertrauensverhältnis zu den Zuschauern. Die Menschen kannten sie, glaubten ihr und kauften von der ersten Minute an. Angetrieben wurde sie von einem tiefen Innovationsgeist. „Die Frage war: Bleibe ich in der Position als Expertin stehen, die ‚nur‘ Produkte von anderen präsentiert? Oder ist es aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen und meines Wissens nicht längst Zeit und meine dringliche Aufgabe, auch selbst und grundlegend eigene Produktideen – hier vor allem neue Rezepturen und Optimierungen – ganzheitlich zu gestalten?“ Die Antwort gab sie sich selbst, indem sie ein hochkarätiges Team aus Dermatologen, Allergologen und Biochemikern um sich scharte. Das Ziel: Eine medizinisch basierte Wirkkosmetik zu erschaffen, die neue Maßstäbe setzt.

Beate Johnen, Gründerin der Beate Johnen Kosmetik GmbH

Die Philosophie der Hautähnlichkeit: Das Skinlike-Prinzip

Im Zentrum ihrer Marke steht seit mehr als 20 Jahren ein radikal einfaches, aber biologisch hochkomplexes Konzept: das SkinlikePrinzip. Als sie die Linie gründete, war ihr bewusst, dass der Markt keine weitere Standard-Creme brauchte. „Damals habe ich gesagt, es macht wenig Sinn, die millionste Kosmetiklinie zu gründen. Also haben wir das gemacht, was es damals noch nicht gab: Eine Kosmetik, die sich auch um die ganz, ganz empfindliche Haut kümmert. Die Haut, die eben nichts verträgt, die immer reagiert, auf egal was“, erklärt die Unternehmerin. Gemeinsam mit den Medizinern entwickelte sie Rezepturen, die ausschließlich auf hauteigenen und hautähnlichen Substanzen basieren. Die Klassiker hierbei sind körpereigenes Kollagen und Hyaluronsäure. Da die Haut in ihrer biologischen Struktur exakt aus diesen Elementen besteht, erkennt sie die Pflege als „Teil ihrer selbst“ an, wodurch Abstoßungsreaktionen oder irritierte Blockaden konsequent vermieden werden. Die Marke, die heute rund 250 Produkte in 11 spezialisierten Linien umfasst, entwickelte sich rasant weiter. Pflanzliche und hochmoderne Wirkstoffe wurden im Labor so modifiziert, dass sie die Hautbiologie imitieren und zelluläre Prozesse triggern. Beate Johnen beschreibt den biologischen Alterungsprozess sehr pragmatisch: „Zellen funktionieren nicht mehr so gut, sterben ab, man hat weniger Zellen zur Verfügung und dadurch funktionieren eine ganze Reihe an Hautprozessen nicht mehr gut. Das ist Alter.“ Genau hier setzt ihre Kosmetik an: Anstatt die Haut von außen mit schweren, künstlichen Schichten zu überlagern, werden die hauteigenen Regenerationsprozesse wieder angekurbelt – sanft, tiefenwirksam und absolut verträglich.

Wenn ich Instagram aufmache, springt mich komplett Unglaubhaftes an.

Beate Johnen

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, führte Beate Johnen ein strenges Reinheitsgebot ein, das bis heute die Säule ihres Erfolgs bildet. Alle Produkte sind kompromisslos frei von schädlichen Mineralölen, Silikonen und Parabenen. Zudem wird im Einklang mit modernen, ökologischen Werten produziert: Das gesamte Sortiment ist zu 100 Prozent tierversuchsfrei und wird unter strengsten pharmazeutischen Bedingungen ausschließlich in Deutschland hergestellt. Da Schönheit für sie jedoch ein ganzheitliches Thema ist, erweiterte sie ihr Portfolio im Jahr 2013 in Zusammenarbeit mit Ernährungswissenschaftlern um die Linie BJ Nutri Solution. Diese rund 30 Produkte umfassende Nahrungsergänzung folgt denselben kompromisslosen Qualitätsstandards und unterstützt die Zellregeneration der tieferen Hautschichten von innen heraus.

Künstliche Intelligenz, der Faktor Mensch und die Zukunft des Shoppings

Der Kosmetikmarkt und die Medienlandschaft haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten rasant verändert. Digitale Medien, Social-Media-Kanäle und Internetformate dominieren die Informationsvermittlung. Doch Beate Johnen begegnet dieser Entwicklung nicht mit Sorge, sondern mit einem unerschütterlichen Vertrauen in die menschliche Sehnsucht nach Realität. Zwar hat ihr Unternehmen längst einen erfolgreichen eigenen Onlineshop etabliert und bespielt regelmäßig digitale Livestreams, doch das Fundament bleibt die echte, unzensierte Kommunikation. Ihr Haussender HSE, unter Führung der Vorstandsvorsitzenden Sandra Rehm, gilt hierbei als internationaler Vorreiter, der TV und modernste Web-Livestreams zu einer crossmedialen Einheit verknüpft, in der jedes Format seinen individuellen Raum bekommt. Für Beate Johnen ist dieser interaktive Mix die perfekte Antwort auf eine zunehmend digitalisierte und von künstlicher Intelligenz geprägte Welt. „Ich glaube, und davon bin ich absolut fest überzeugt, dass die Leute die ganze KI nicht mehr sehen wollen und können. Wenn ich Instagram aufmache, springt mich komplett Unglaubhaftes an“, stellt sie energisch klar. Im Gegensatz zu den perfekt retuschierten, KI-generierten Scheinwelten im Internet setzt das Teleshopping auf den Faktor Mensch. „In unseren Livestreams und auch im analogen Fernsehen sind wir echt. Also ich sitze da ja in echt, mit meiner echten Leidenschaft, mit meinen echten Produkten, mit meinen echten Worten, auch mit echten Versprechern.“ Für sie ist die direkte, unverfälschte Präsenz das stärkste Argument der Zukunft.

Die Kundinnen und Kunden spüren, ob jemand eine Rolle spielt oder mit dem eigenen Namen für die Qualität einer Rezeptur einsteht. „Teleshopping war ja totgesagt“, erinnert sie sich, „aber ich denke, das Gegenteil ist der Fall: Gerade weil wir diese Ehrlichkeit haben, wird Teleshopping wieder boomen.“

Privates Glück und der ureigene Kurs

Dieses unbedingte Vertrauen in den eigenen, unkonventionellen Weg zieht sich wie ein roter Faden durch Beate Johnens gesamtes Leben – beruflich wie privat. Wer gegen den Strom schwimmt, muss bereit sein, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen. Das bewies sie eindrucksvoll, als sie im Alter von 51 Jahren Mutter von Zwillingen – einem Jungen und einem Mädchen – wurde. „Es war ein Herzenswunsch. Auch diese Entscheidung war sicherlich ungewöhnlich, aber für uns genau richtig“, sagt sie voller Wärme. Die biologischen und medizinischen Wege im Ausland machten es möglich. Wenn sie heute gefragt wird, worauf sie in ihrem Leben am meisten stolz ist, zögert sie keine Sekunde: „Meine Kinder. Die werden jetzt 15 im Juli und das ist natürlich der allergrößte Stolz. Und dann, klar, dass mein Geschäft eine der allergrößten und bedeutendsten Marken im europäischen Homeshopping-Bereich ist.“ Angst vor späten Elternschaften oder existenziellen Nöten hatte sie nicht, da ihr Unternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits florierte und ihr die nötige finanzielle und zeitliche Flexibilität schenkte. „Ich bin körperlich auch jetzt noch fit und es hat sich für unsere Kinder nie so angefühlt, als hätten sie zu alte Eltern.“ Ihr Lebensmotto bleibt eine Einladung zur Tatkraft: Aus Rückschlägen lernen, Hindernisse überwinden und den Mut niemals verlieren. Dieses Lebensgefühl wird auch das große private Event prägen, das Ende August in ihrer Wahlheimat München stattfindet.

Um ihr 21-jähriges Firmenjubiläum und ihren 66. Geburtstag zu feiern, hat Beate Johnen rund 150 Gäste – Wegbegleiter, Geschäftspartner und Familie – zu einer großen Sommerparty eingeladen. „Die ungeraden Zahlen mögen als Anlass vielleicht unüblich sein, aber ich dachte mir, es ist einfach mal Zeit, mich bei allen zu bedanken und mit jenen zu feiern, die meinen Weg über diesen langen Zeitraum positiv wie unterstützend begleitet haben.“ Unter den Gästen werden sich ganz selbstverständlich auch zahlreiche alte Freundinnen und Freunde aus Aachen befinden. Denn dort, im Schmelztiegel der unsterblichen 80er-Anfangstage, zwischen der „Intensivstation“ und den geschichtsträchtigen Sträßchen der Kaiserstadt, wurden die entscheidenden Impulse für ein Leben voller Mut, Nahbarkeit und zeitloser Schönheit gesetzt.

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