Sternstunde im Eurogress
Dorothee Bär erhält den Orden wider den tierischen Ernst: Die 76. Verleihung machte Aachen zur Hauptstadt des feinsinnigen karnevalistischen Humors.
Wenn das Aachener Eurogress zum Zentrum der karnevalistischen Galaxie wird und Major Tom die Ankunft der neuesten Ritterin ankündigt, dann ist es Zeit für den kulturellen Höhepunkt des Öcher Fastelovvends. Bei der 76. Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ bewies Dorothee Bär, dass Politik nicht nur aus harten Debatten besteht, sondern auch in vollendeter Reimform und im Astronauten-Look eine „bärenstarke“ Figur macht.
Ein „völlig losgelöster“ Einzug der neuen Ordensritterin
Aachen ist vieles: Kaiserstadt, Printenmetropole, Innovationsstandort. Doch an diesem Samstagabend Ende Januar war Aachen vor allem eines, nämlich die Hauptstadt des feinsinnigen karnevalistischen Humors. Vor rund 900 festlich gestimmten Gästen im restlos ausverkauften Eurogress zelebrierte der Aachener Karnevalsverein (AKV) eine Sitzung, die sprichwörtlich „völlig losgelöst“ war. Im Mittelpunkt stand eine Frau, die wie kaum eine zweite für die Verbindung von moderner Zukunftsgestaltung und Lebensfreude steht: Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Schon der Einzug der neuen Ritterin setzte ein Statement. Begleitet von den Klängen des Kult-Hits „Major Tom“ und in einem authentischen ESA-Astronautenanzug betrat Dorothee Bär die Bühne. Es war ein Bild mit Symbolkraft: Hier kommt eine Frau, die bereit ist, die politische Schwere hinter sich zu lassen und in die Schwerelosigkeit des Humors einzutauchen. Der AKV würdigte mit ihr eine Preisträgerin, die durch Menschlichkeit Brücken baut – zwischen Berlin und Aachen, zwischen Forschungslaboren und der närrischen Bütt.
Goethe wäre neidisch gewesen: Eine Ritterrede in vollendeter Reimform
Das Herzstück jeder Ordensverleihung ist die Ritterrede, und hier lieferte Dorothee Bär ein wahres Meisterwerk ab. In vollendeter Reimform dichtete sie sich geradewegs in die Herzen des Publikums. Es war eine Rede, die weder Tiefgang noch Schärfe vermissen ließ, dabei aber stets charmant und selbstironisch blieb. Bär bewies, dass man im politischen Ring bestehen kann, ohne den Respekt und das Lächeln zu verlieren.
Die Laudatio hielt kein Geringerer als Vorjahresritter und Vizekanzler Lars Klingbeil. Mit gewohnt scharfer, ironischer Klinge sezierte er das politische Geschehen und fand dabei warme Worte für seine Nachfolgerin. Deutschland brauche Menschen, die weiterdenken und nicht im Gestern verharren, so Klingbeil.
Wir alle brauchen mehr Bär!
Lars Klingbeil, Vizekanzler und Vorjahresritter
Politische Prominenz in der Bütt und im Saal
Die 76. Verleihung zeigte wieder einmal, dass der „Orden wider den tierischen Ernst“ die einzige Bühne Deutschlands ist, auf der sich politische Kontrahenten mit offenem Visier und Humor begegnen. Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen) fungierte zu Beginn der Sitzung als brillante Rednerin und bestand ihre Feuertaufe in der Bütt ebenso souverän wie CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Auch unter den Gästen im Saal glänzte die politische Prominenz: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, NRW-Umweltminister Oliver Krischer und der stets schlagfertige Wolfgang Kubicki genossen sichtlich die Atmosphäre, in der politische Differenzen für ein paar Stunden hinter herzhaftem Lachen zurückstanden.
Öcher Flair und Kölner Töne
Eine Premiere der besonderen Art feierten AKV-Präsident Dr. André Freese und Comedian Guido Cantz. Erstmals führten die beiden gemeinsam durch das fast vierstündige Programm. Die Chemie stimmte ab der ersten Sekunde: Während Cantz mit Pointenfeuerwerken für Lacher sorgte, führte Freese mit rheinischer Souveränität und Herzblut durch den Abend. Ein Duo, das sich blind verstand und nach einer Wiederholung im nächsten Jahr förmlich schreit. Und was wäre eine AKV-Sitzung ohne Lokalkolorit? Die „4 Amigos“ brachten den Eurogress als musikalische Lokalmatadore zum Kochen, während das Tanzensemble TNBoom für visuelle Highlights sorgte. Auch die Öcher Tollitäten durften nicht fehlen: Märchenprinz Phil II. und Karnevalsprinz Lukas I. gaben sich die Ehre. Für Lukas I. wurde der Abend besonders emotional, da er auf der Bühne gemeinsam mit 1.000 Gästen seinen 30. Geburtstag feierte und ein Geburtstagsständchen erhielt, das er sicher so schnell nicht vergessen wird.

Für überregionale Glanzlichter sorgten Martin Schopps, der einmal mehr bewies, warum er zur absoluten Elite des Karnevals gehört, und Werbeikone Friedrich Liechtenstein. Letzterer schlüpfte in die Rolle des „Kaiser Karl“ und verlieh dem Abend eine skurril-geniale Note. Musikalisch setzte die Kölner Band „Kasalla“ den Schlusspunkt unter ein Programm, das keine Wünsche offen ließ.
Ehre, wem Ehre gebührt und Party bis zum Sonnenaufgang
Neben dem Ritterorden wurden weitere bedeutende Preise verliehen. Der Lambertz-Ehrenpreis ging an Georgia Toussaint und Sven Felder (C.C. Aachener Stadtkadetten), während die Kinder des K.K. Oecher Storm den Zentis-Kinderpreis abräumten. Als charmante Preispatin fungierte die ehemalige Fechtolympiasiegerin Britta Heidemann. Aber nach dem offiziellen Teil war im Eurogress noch lange nicht Schluss. Unter dem Motto „Dance into Sunrise by Merkur“ verwandelte sich das Foyer in eine exklusive Partyzone. Zu den Klängen der Live-Band „Ten Ahead“ wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt, gelacht und genetzwerkt.

Die 76. Ordensverleihung hat wieder einmal bewiesen: Humor ist die beste Medizin gegen den tierischen Ernst der schwierigen und herausfordernden Zeiten, in denen wir leben. Und mit Dorothee Bär hat Aachen eine Ritterin gefunden, die das närrische Universum mit viel Herz und Verstand bereichert. Wir freuen uns schon auf ihre Laudatio im nächsten Jahr!