Der Aachener Orden wider den tierischen Ernst 2026 geht an Dorothee Bär
Wenn sich am 31. Januar der karnevalistisch-gesellschaftliche Schwerpunkt des jecken Aachener Alltags in Richtung Eurogress verlagert, wenn festliche Abendgarderobe und Narrenkappen sich begegnen und die politische Prominenz des Landes mit karnevalistischem Witz zusammentrifft, dann ist es wieder soweit: Der Aachener Karnevalsverein (AKV) verleiht den traditionsreichen Orden wider den tierischen Ernst. In diesem Jahr wird Dorothee Bär in den illustren Kreis der Ordensritterinnen und -ritter aufgenommen, ihres Zeichens Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Eine Tradition mit Tiefgang
Seit 1950 würdigt der AKV mit dem Orden wider den tierischen Ernst Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die im Amt nicht nur Verantwortung, sondern auch Menschlichkeit und Humor beweisen. Die Auszeichnung steht für jene seltene Fähigkeit, Haltung zu zeigen, ohne gerade in schwierigen Zeiten den Sinn für das Heitere und mitunter auch das Absurde zu verlieren.
Was einst als karnevalistische Idee begann, ist längst zu einer moralischen Instanz geworden. Wer den Orden erhält, hat gezeigt, dass man Politik, Macht und Pflichterfüllung mit einem Augenzwinkern versehen kann, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Der Orden spiegelt ein wichtiges Stück rheinischer Lebenskunst wider, den Mut, ernsthafte Themen mit Leichtigkeit zu betrachten, ohne sie zu trivialisieren.
In der Reihe früherer Trägerinnen und Träger finden sich Persönlichkeiten, die das politische Deutschland geprägt haben: Konrad Adenauer, Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Annalena Baerbock und Lars Klingbeil, der im vergangenen Jahr ausgezeichnet wurde. Sie alle eint, dass sie – unabhängig von Partei und Funktion – die Kunst beherrschen, das Menschliche in der Politik nicht zu vergessen. So ist der Orden längst mehr als eine karnevalistische Trophäe. Er ist ein Symbol für das Gleichgewicht zwischen Ernsthaftigkeit und Humor – für den Mut, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.
Dorothee Bär, Ordensritterin 2026
Im Jahr 2026 wird diese Ehre Dorothee Bär, CSU-Politikerin, frühere Staatsministerin für Digitalisierung und heutige Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, zuteil. Der AKV begründet seine Entscheidung mit den Worten, Bär vereine Humor, Menschlichkeit und klare Haltung in seltener Balance. Sie sei eine Frau, die die Sprache der Menschen ebenso beherrsche wie die der Technik und dabei stets mit einem Lächeln auftrete, das nichts mit Oberflächlichkeit, sondern mit innerer Stärke zu tun habe.
Bär selbst nahm die Nachricht mit sichtlicher Freude auf und erklärte: „Dieser Preis steht wie kein anderer dafür, dass das Leben nicht nur aus Zahlen, Paragrafen und freudloser Bürokratie besteht, sondern auch aus Humor, Menschlichkeit und der Fähigkeit, über sich selbst zu lachen.“ Die 76. Festsitzung im Aachener Eurogress wird erneut zu einem Abend, an dem sich das ernste Geschäft der Politik und der rheinische Frohsinn die Hand geben. Wenn Lars Klingbeil, der letztjährige Ordensträger, die Laudatio hält, darf das Publikum eine Mischung aus Witz, Geist und Wertschätzung erwarten.
Traditionell folgt auf die Übergabe des Ordens der Höhepunkt des Abends: die Rede der neuen Ritterin im sogenannten Narrenkäfig. In dieser symbolträchtigen Rede darf und soll sich die Geehrte selbst aufs Korn nehmen – ein humorvolles Ritual, das den Kern der Auszeichnung verkörpert. Denn wer in Aachen geehrt wird, muss bereit sein, den Spiegel zu ertragen, den der Humor uns allen vorhält. Dorothee Bär steht in diesem Sinne für eine Politik, die sich den großen Herausforderungen der Zukunft stellt, ohne den Kontakt zum Menschlichen zu verlieren. Ihre Ehrung ist daher auch ein Zeichen dafür, dass Fortschritt, Technologie und Digitalisierung nicht ohne Wärme, Witz und Mitgefühl gedacht werden können.